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Humorlose Netzwerke – Aprilscherz gone wrong

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Humorlose Netzwerke – Aprilscherz gone wrong

Einleitung

Am Dienstag war der 1. April. Was es mit diesem Tag auf sich hat muss ich wohl keinem erklären. Ich kenne einige Menschen, die sich jedes Jahr sehr auf diesen Tag freuen und teilweise Monate damit verbringen, einen guten Streich auszuhecken. Andere entscheiden sich eher spontan. In Zeiten des Internets kann es schnell passieren, dass eine solche, als Scherz gemeinte, Meldung viral wird. So auch in dem Fall, von dem ich euch berichten möchte.

Als Aprilscherz bezeichnet man den Brauch, am 1. April die Mitmenschen durch erfundene oder verfälschte (meist spektakuläre) Geschichten, Erzählungen oder Informationen hereinzulegen und so „zum Narren zu halten“.

 

Die Idee kam spontan und war eben so simpel wie genial. Ein Fotograf wechselt die Marke und verschenkt jetzt seine »alte« Kamera über ein Gewinnspiel auf Facebook. Wer sich die Fan-Page ein bisschen genauer anguckt der sieht, der Autor hat zwar einiges an Canon auszusetzen und ist nicht mehr vollends zufrieden, hat sich aber gerade erst eine neue Kamera gekauft. Warum sollte er wechseln? Unter den fotobegeisterten gibt es, ähnlich wie bei Computern und Handys auch, verschiedene Lager – Fanboys und -girls. Als Privatperson kann so ein Wechsel schon mal vorkommen. Im professionellen Sektor sind solche Wechsel eher unüblich, da sie mit einem enormen finanziellen Aufwand verbunden sind. Selbst wenn das alte Equipment verkauft wird, ein ziemliches Verlustgeschäft.

Innerhalb von Stunden ging der Post durch die Decke. Bis 22 Uhr wurde der Eintrag über 3000 mal geteilt, geliked und kommentiert. Das war so nicht geplant. Einige der Teilnehmer bemerkten direkt, dass es sich um  Scherz hielt, andere schienen das ziemlich ernst zu nehmen.

Der Shitstorm

Als auffiel, dass das Gewinnspiel aus dem Ruder lief, wurde der Scherz aufgeklärt. Was danach geschah, ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Der Autor wurde als »Arschloch« oder »dreckiger Jude« beschimpft und erhielt nach meinen Informationen einige, sehr unschöne Nachrichten. Es wurde mit Anwälten gedroht und sich aufgeplustert. Interessanter Weise war der allgemeine Tonus eher verständnisvoll. Noch dazu, wo als Entschädigung eine ernste Verlosung angekündigt wurde.

Meine Meinung

Ich finde es sehr schade, dass sich auf diese sehr unfeine Art und Weise profiliert werden muss. Auf der einen Seite amüsieren wir uns über die, im öffentlichen Fernsehen gezeigten, Scherze an Passanten, auf der anderen Seite darf uns sowas nie passieren. Dann bekommen wir einen puterroten Kopf, fuchteln wild mit den Armen, fluchen und drohen mit Anwälten. Wer von uns hat denn wirklich »seinen Anwalt«. Wir sind doch eigentlich ganz froh drum, brauchen wir die Dienste eines Advokaten NICHT in Anspruch nehmen.
Was sich mir des Weiteren nicht ergibt, ist die Logik hinter einer Klage. Im aktuellen Beispiel betrug die Wahrscheinlichkeit theoretisch 1 zu 3500. Das ist ziemlich hoch, vergleicht man es mit den Gewinnchancen beim Lotto, dennoch stelle ich es mir interessant vor zuzusehen, wie sich die Anwälte von 10 Teilnehmern darum streiten, wer jetzt die Kamera bekommt.

 

Fotoquelle: Daniel Iversen

Rico Magnucki

Rico Magnucki

http://magnucki.de

21st Century Digital Boy und Blog-Gründer. Studiert naturwissenschaftliche Informatik in Bielefeld. Auf dem Blog ist er der Ansprechpartner für LaTeX, schreibt Tutorials, dreht die Videos für YouTube und durchforstet das Internetz nach spannenden Dingen.

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