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Smartwatches – Die Unhöflichkeit am Handgelenk

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Smartwatches – Die Unhöflichkeit am Handgelenk

Einleitung

Weit draußen in den unerforschten Einöden eines total aus der Mode gekommenen Ausläufers des westlichen Spiralarms der Galaxis leuchtet unbeachtet eine kleine gelbe Sonne. Um sie kreist in einer Entfernung von ungefähr auchtundneunzig Millionen Meilen ein absolut unbedeutender, kleiner blaugrüner Planet, dessen vom Affen stammende Bioformen so erstaunlich primitiv sind, daß sie Digitaluhren noch immer für eine unwahrscheinlich tolle Erfindung halten.

Smartwatches

Spätestens seit der iPhone 6 – Keynote sollte allen klar sein, dass Smartwatches »the next big thing« sind. Smartwatches gibt es zwar schon ziemlich lange, aber mit Uhren wie der Moto 360 und der AppleWatch haben sie nun offensichtlich den Durchbruch geschafft.

Auf den ersten Blick fand ich die Smartwatches ziemlich spannend. Ein cooles kleines Gadget für das Handgelenk. Besonders spannend finde ich die Fitnessfunktionen wie Schrittzähler oder Pulsmesser. Einen Schrittzähler habe ich zwar in meinem Nexus 5, allerdings habe ich noch keine App gefunden, die nicht direkt mit Facebook verbunden ist oder die Akkulaufzeit massiv verkürzt.

Uhr statt Smartphone

Seit wir durch unser Mobiltelefon mit der ganzen Welt vernetzt sind, schauen die meisten von uns alle paar Minuten wie zwanghaft auf ihr Handy. Das kann verdammt nervig sein, vor allem für unseren Gegenüber. Wirft man einen Blick in Restaurants, Bars oder ins Café – überall starren die Leute auf ihr Telefon. Mit Handys jenseits der 5 Zoll wird das ständige »rein und raus« nicht nur umständlich sondern nahezu lächerlich. An diesem Punkt ist eine Smartwatch natürlich praktisch. Das Handy bleibt in der Tasche und die Informationen landen direkt auf der Uhr. Das Problem dabei ist allerdings, dass nun ein neues Gerät mit Akku in der Tasche ist. Ein neues Gerät, das rechtzeitig geladen werden will und gleichzeitig die Laufzeit des Smartphones verringert.

Unhöflichkeit am Handgelenk

Was ich damit meine? Einige Gesten sind mit unumstößlichen Bedeutungen behaftet. So z.B. der ständige Blick auf die Armbanduhr. Dieser symbolisiert Eile und auf eine gewisse Art und Weise auch Unbehagen.
Stellen wir uns folgende Situation vor:
Auf meinem Handy habe ich, für privat, Uni und Arbeit – insgesamt 8 E-Mail Konten. Dazu kommen 5 Messenger, Facebook, Twitter, Xing, Notifications von Foursquare bzw. Swarm und Breaking News aus meinem Feed-Reader. Im Klartext bedeutet das, mein ach so smartes Telefon ist ständig am Blinken, Vibrieren und Bimmeln. Ich sitzen nun also beim ersten Essen mit den zukünftigen Schwiegereltern und will den bestmöglichen Eindruck hinterlassen. Man muss es sich ja nicht direkt schon beim ersten Treffen mit ihnen verscherzen.
Das Smartphone bleibt also in der Tasche und ist auf lautlos gestellt. Nun ist jedoch in der Firma die Hölle los. E-Mails, Anrufe, Instant Messages – die Uhr steht nicht still. Ständig ist sie am Vibrieren oder Blinken. Natürlich schaue ich ständig auf die Uhr und vermittle damit genau den Eindruck, den ic eigentlich vermeiden wollte – Hektik, Unbehagen und Eile.
Die Schwiegereltern sind natürlich nur ein Paradebeispiel, welches sich jedoch auf jede Zusammenkunft von Menschen projizieren lässt.

So richtig ausgereift ist das Konzept der Smartwatches meiner Meinung noch nicht. Nicht nur, dass die Akkus nur zwischen ein bis zwei Tagen durchhalten, auch die Bedienung ist bei einigen Vertretern sehr fragwürdig. So richtig hübsche Modelle habe ich leider auch noch nicht gesehen. Was sich mir auch widersetzt ist die Tatsache, dass unsere Telefone immer größer werden, um große Mengen an Informationen darzustellen – auf der anderen Seite nun aber propagiert wird, dass ich meine SMS/WhatsApp/Hangout/Telegram/Threema/Newsfeed Nachrichten jetzt auf einem 1 Zoll Display lesen will. Völlig absurd, wenn ihr mich fragt. Da lobe ich mir doch meine analoge Armbanduhr, die mir Zeit und Datum anzeigt und deren Batterie ich alle Jubeljahre mal austausche. Und seien wir mal ehrlich. Für 200 bis 300€ bekomme ich eine verdammt gute Armbanduhr.

Bildquelle: Flickr – Janitor

Rico Magnucki

Rico Magnucki

http://magnucki.de

21st Century Digital Boy und Blog-Gründer. Studiert naturwissenschaftliche Informatik in Bielefeld. Auf dem Blog ist er der Ansprechpartner für LaTeX, schreibt Tutorials, dreht die Videos für YouTube und durchforstet das Internetz nach spannenden Dingen.

  • Evy

    Ständig erreichbar zu sein stresst. Deswegen bleibt das I-net aus, wenn ich raus gehe. Ich verpasse ja nix – man kann mich anrufen.

  • Das ist natürlich auch eine Frage, in welchem Maßstab ich die Notifications nutze. Lasse ich mir alle Nachrichten direkt pushen oder nur von ausgewählten Diensten? Kann ich die Uhren auch in einen Nicht-Stören-Modus setzen wir die Smartphones?
    Ich habe auf meinem Smartphone zumindest die Pushes sehr strickt reduziert, weil die Technik mir ja helfen soll, effektiver zu arbeiten. Da sind 5 Pushes pro Minute selten hilfreich. Und wenn ich mich gut mit den Schwiegereltern unterhalte, ist der Drang zum Phone (oder zur Uhr) zu sehen eh gering.

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