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Präsentationen – was tun, was nicht

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Präsentationen – was tun, was nicht

Einleitung

Als Student sehe ich fast jeden Tag Präsentationen von Dozenten und Studierenden. In beiden Lagern gibt es Vertreter, die sehr gut Reden und präsentieren können und die, die damit große Probleme haben. Anfangs habe ich mich auch schwer damit getan. Ich war sehr nervös und habe mich regelrecht an meine Folien geklammert. Dieser Blog, die Tutorials auf YouTube und meine Tutorentätigkeit haben mir sehr geholfen meine Stimme unter Kontrolle zu bringen. Im normalen Alltag spreche ich relativ schnell – meistens zu schnell für meine Mitmenschen. Wenn ich heute Vorträge halte, ist mein Sprachtempo für mich nahezu unerträglich, für die Zuhörenden angeblich sehr angenehm. Es ist alles eine Frage des Trainings.

Am Wochenende bin ich über einen Artikel von Joachim Schlosser (@schlosi) gestolpert. »20 Dinge, die Sie beim Präsentieren weglassen können« , so der nahezu reißerische Titel. Einige werden sich jetzt fragen: »Was hat der Mann?« Recht hat er!

»20 Dinge, die Sie beim Präsentieren weglassen können«

Der Artikel listet die fatalsten Fehler und langweiligsten Stilmittel auf, die einem in einer Präsentation begegnen können. Theoretisch. Die Praxis sieht leider so aus, dass mir alle Punkte bekannt waren und in meinem Umfeld mit einer gewissen Penetranz verwendet werden. Ich habe mir die prägnantesten Probleme aus Joachims Artikel rausgesucht und in den Universitätskontext gesetzt. Meiner Meinung nach, sind es einige der Dinge, die sich am einfachsten auf die eigene Präsentation übertragen lassen.

4. Den starren Blick zur Wand, auf der Ihre Folien erscheinen.

Gleichermaßen beliebt bei Dozenten und Studierenden. Es wirkt jedoch unabhängig vom akademischen Grad absolut unvorbereitet. Der Referierende sollte in der Regel wissen, was auf seinen Folien steht. Ist man sich dennoch nicht sicher, gibt es im 21. Jahrhundert Geräte wie Tablets oder Laptops, die mehr oder weniger unauffällig als Souffleur herhalten können. Des Weiteren ist es einfach nur unhöflich, sich vom Publikum wegzudrehen.

6. Folien als Transkript Ihrer Rede in Form von Aufzählungslisten (»Bullet Points«).

Der absolute Klassiker. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, außer euch ans Herz zu legen, es einfach nicht zu tun! Erst heute hab ich es wieder erlebt und es ärgert mich ungemein. Will ich lesen, was auf den Folien steht, dann lese ich die Folien – oder ich lese direkt das Buch, aus dem sie zitieren.

7. Den supercoolen Folienübergang bei dem Ihr Publikum seekrank und sehkrank wird.

Prezi LogoErwischt! Jeder von uns war wohl schon mal gewillt, das gesamte Animationssammelsurium von PowerPoint & Co. auszuschöpfen. Der eine, weil er es nicht besser wusste, der andere, weil er ein Negativbeispiel vorführen wollte. Am besten ist es, man überlegt sich für jede Folie eine neue Animation, damit auch garantiert ist, dass dem Zuschauer schlecht wird. Das einzige was noch gruseliger ist, als zu viele schlecht eingesetzte Animationen, ist die Verwendung von Tools wie Prezi, nur weil sie cool sind. Bei Prezi handelt es sich um ein mächtiges und gutes Werkzeug für sog. Zooming Presentations. Ordentlich eingesetzt können diese den Zuhörer fesseln und beeindrucken. Schlecht eingesetzt, sollte man als Zuschauer Medikamente gegen Seekrankheit dabeihaben – oder wenigstens eine wasserdichte Tüte für den Ernstfall.

14. Äh.

Ein »Äh« hilft beim Denken – jedenfalls dem Vortragenden. Alle anderen nervt es gewaltig. Es bedarf einigem Training aber zu lernen, dass ein »äh« auch einfach eine Pause sein kann, ist möglich – und sinnvoll! Viele Politiker überspielen ein »äh« mit einem anderen Füllwort. »Also« ist ein beliebter Kandidat, der anfangs gut funktioniert. Fällt es dem Auditorium jedoch auf, dass es sich um einen »äh«-Ersatz handelt, macht es alles nur noch schlimmer.

19. Wichtigen Text im unteren Fünftel der Folie.

Präsentationen mit wichtiger Info unten auf der SeiteBei dem Fakt handelt es sich um etwas, über das ich ehrlich gesagt nie nachgedacht habe. Aus der Uni bin ich informationsüberladene Folien gewöhnt. Heute hab ich darauf geachtet und direkt ein glorreiches Beispiel präsentiert bekommen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Folie sah in etwa so aus, wie die nebenstehende. Die wichtige Information stand nicht nur im unteren Fünftel, sondern ganz unten. So weit unten, dass es fast nicht mehr zu sehen war. Warum ist da überhaupt so viel Text drauf? Das muss doch echt nicht sein!

20. Überlange Aufzählungen.

Präsentationen mit endlosen AuflistungenWieder eine traurige Wahrheit, die kein Ende finden will. Professoren und Studierenden bedienen sich ihr gleichermaßen wahllos. Aus einer Vorlesung wird eine »Mitlesung«, aus Präsentationen werden langweilige Aufzählungen. Endlose Folien mit Aufzählungen. Die Dozenten nutzen wenigstens keine Animationen. Das menschliche Gehirn kann in der Regel nicht mehr als sechs Informationen auf einmal aufnehmen und verarbeiten. Daran sollte man denken, wenn man eine Präsentation erstellt.

Was für mich in Präsentationen wichtig ist

Lesbarkeit

  • Es scheint aktuell in Mode zu sein, Präsentationen farblich zu invertieren. Viele Tools starten mit einem dunklen Hintergrund und weißer Schrift, was per se nicht schlecht ist. Diese Art von Präsentation ist jedoch darauf ausgelegt, dass entweder der Beamer Leistungsstark genug ist oder die Vorführung direkt am PC stattfindet. Im Unialltag sieht es leider so aus, dass keiner der verfügbaren Beamer den nötigen Kontrast liefert, wodurch das Anschauungsmaterial nutzlos wird.
  • Ähnlich verhält es sich mit der Farbgebung der Informationen. 5 % der Bevölkerung sind Farbenblind. Das heißt für mich als Präsentierenden, dass in einem Auditorium von 20 Personen sehr wahrscheinlich ein Farbenblinder sitzt. Auch wenn ich mir sicher bin, dass alle Anwesenden Farben sehen können, sollte ich nicht fünf verschiedene Grüntöne verwenden. Der Mensch kann zwar, wenn ich mich recht erinnere, in der Theorie ca. 7 Millionen Farben unterscheiden, man sollte es aber nicht darauf anlegen. Klare Kontraste und die Verwendung von Komplementärfarben erleichtern es allen Anwesenden, der Präsentation zu folgen.

Zuviele Daten in einem Graph

Jeder kennt es, der Professor zeigt eine Plot mit mehr als einem Graphen. Ähnlich wie in dem Artikel von Joachim beschrieben, widerspricht das jeglichen Präsentationsprizipien. Bei mehr als drei Graphen pro Darstellung fällt es jedem schwer, die Übersicht zu behalten.

Unvorbereitete Redner

Dieser Punkt hat wenig mit der eigentlichen Präsentation zu tun. Viel mehr geht es um die Tatsache, dass gerade im Uni-Kontext viele Vorträge (studentenseitig) extrem schlecht vorbereitet sind. Das erzeugt automatisch und ungewollt absolutes Desinteresse.

Unerwartete Schlussfolgerung

Liest man diesen Artikel, könnte man zu dem Schluss kommen, viele der Präsentationen, die in der Universität gehalten werden sind schlecht. Für die Seite der Studierenden stimmt das in den meisten Fällen. Woher sollen sie es auch wissen. Kurse wie Rhetorik gehören nicht mehr zu den Pflichtveranstaltungen eines Naturwissenschaftlers. Mit ein wenig Glück können sie als individuelle Ergänzung belegt werden – sofern man sie findet.

Ein anderer wichtiger Punkt ist der, dass sich viele der Präsentationskritiken an Firmenpräsentationen oder ähnliche richten. Präsentationen in der Universität dienen in der Regel als großes Handout und vereinfacht den Studierenden die Formulierung ihrer Aufzeichnungen. Diese Tatsache entschuldigt keine endlosen Aufzählungen oder sog. Walls of Text. Hier ist der feine Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Präsentation. Gute Präsentationen unterstützen den Redner und das, was er vorträgt. Im Gegensatz dazu lenkt eine schlechte Präsentation vom eigentlichen Vortrag ab. Dies kann auf viele Arten geschehen. Eine Präsentation ist die visuelle Darstellung dessen, was der Redner vorträgt – zumindest sollte sie das sein. Endlose Auflistungen und Fließtext veranlassen den Hörer dazu, seine Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was auf der Folie steht. Zeigt diese viel Text, ist der Zuhörer automatisch gewillt, sich diese Information durchzulesen, wodurch er nicht mehr in der Lage ist, dem Vortragenden zu folgen.

Tipps für die nächste Präsentation

Zusammenfassend möchte ich euch ein paar Tipps für eure nächste Präsentation mitgeben.

Weniger ist mehr!

Wichtiger als das »Wie viel« ist das »Was«. Denkt bei eurer nächsten Präsentation genau darüber nach, was ihr auf die Folien schreibt. Ihr wollt die Aufmerksamkeit auf euch lenken, nicht auf dass, was auf der Folie steht. Sind diese kompakt gehalten, kommt ihr auch nicht so schnell in die Versuchung sich einfach vorzulesen. Hierzu zählt auch der Verzicht auf zu viele Animationen. Es geht um den Inhalt den ihr vortragt, nicht darum, wer die meisten Animationen in einer Präsentation nutzt.

Pausen statt Äh.

Wenn ihr Schwierigkeiten bei der Wortfindung habt, dann seid euch dessen bewusst. Durch dieses Bewusstsein werdet ihr merken, wie oft ihr Äh sagt. Anstelle dieses Hilfsworts macht ihr einfach eine Denkpause. Diese wird euch unglaublich lang vorkommen, eurem Zuhörer aber wahrscheinlich gar nicht auffallen.

Seid vorbereitet!

Wenn ihr euch nicht den kompletten Vortrag merken könnt, ist das nicht schlimm. Versucht den Laptop auf dem die Präsentation läuft so zu stellen, dass ihr ihn im Blick habt. So verhindert ihr automatisch, dass ihr an die Wand schaut während ihr vortragt und spielt nicht ständig mit den Karteikarten rum, die ihr in der Hand habt.

Viel Erfolg bei eurer nächsten Präsentation und lasst mich wissen, ob es funktioniert hat.

Rico Magnucki

Rico Magnucki

http://magnucki.de

21st Century Digital Boy und Blog-Gründer. Studiert naturwissenschaftliche Informatik in Bielefeld. Auf dem Blog ist er der Ansprechpartner für LaTeX, schreibt Tutorials, dreht die Videos für YouTube und durchforstet das Internetz nach spannenden Dingen.

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